Wird der Führerschein wirklich günstiger?

Am 11.02.2026 trat der Bundesverkehrsminister vor die Kameras und stellte seine ausgearbeiteten Punkte zur Führerscheinreform vor. Seitdem hört man  es von überall: "Der Führerschein wird günstiger!" Besonders Politiker springen auf diesen Zug mit auf und versuchen hier vielleicht die ein oder andere Stimme mitzunehmen.

Aber ist es wirklich so leicht, wie es sich die Ad hoc Gruppe und der Minister so vorstellen?

 

Ich werde hier einige Punkte abarbeiten und vielleicht ein paar Denkanstöße liefern, die helfen sollen, die aus dem Stegreif erfundenen oder einfach nur kopierten Maßnahmen realistisch einzuschätzen.

Theorie

Wie der Unterricht in Zukunft durchgeführt wird bleibt den Fahrschulen freigestellt. Ob nun in Präsenz, wie bisher, komplett online oder als hybrider Unterricht.  Das klingt erst einmal sehr positiv. 

Nun wird es Fahrschulen geben, die hier den Skalierungseffekt erkennen und mit geringstmöglichem Einsatz den meisten Profit erwirtschaften können. Das ist auch in Ordnung. Der Fahrschüler muss sich nur die Frage stellen, welchen Mehrwert es für ihn hat.

Große Unternehmen stehen bereit,  reiben sich schon die Hände und warten nur darauf, dass es losgehen kann. 

Aber damit hat der Verkehrsminister, oder Teile der Ad hoc-Gruppe sicherlich nichts zu tun. 

Der Mehrwert für den Kunden liegt klar auf der Hand. Die Theorieausbildung wird supergünstig angeboten. Es werden ein paar Videos erstellt und millionenfach verkauft. Aber was bleibt hängen?

Schon beim Vertragsabschluss sage ich jedem Fahrschüler, bereits in der Theorieausbildung voll dabei zu sein. Sich einbringen, mitarbeiten, Fragen stellen sobald Unklarheiten auftauchen. Das ist so wichtig, denn Wissen ist Macht. Alles was wir in der Theorie schon vermitteln können, müssen wir in der Praxis nur noch üben. Alles was wir in der in der Theorie nicht gelernt haben, müssen wir in der Praxis erklären. In der Praxis zählt eben jede Fahrstunde.

Rund 3/4 der Fahrschüler, die ihre Theorie in einer anderen Fahrschule absolviert haben und danach zu uns wechselten, haben trotz verminderten Grundbetrags dieselben oder sogar höhere Kosten gehabt da Defizite in vielen Bereichen nun in der Praxis aufgefangen werden müssen. Billig ist eben nicht günstig. 

Das Feststellen der Prüfungsreife soll entfallen.... Puh!

Ich frage mich gerade, wie das zur Kostenreduzierung beitragen soll? Gott sei Dank gibt es sie NOCH. Ich höre oder lese sehr oft, dass sich der Fahrschüler in der Lage fühlt die Theorieprüfung zu absolvieren. Wenn ich dann in der Schülerverwaltung schaue und dabei erkenne, dass der Fahrschüler es nicht ist wird er eingeladen und darf vor Ort eine Vorprüfung absolvieren. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Nicht bestanden. Das hätte im scharfen Schuss bei der Prüforganisation 24,99€ gekostet. Bei einer zwangsläufigen Wiederholungsprüfung nochmal. und zwei mal 24,99€ sind immer noch mehr als ein mal 24,99€.

Des Weiteren meine ich mich erinnern zu können, dass auch hohe Durchfallquoten die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich zog.

Für mich ein deutlicher Rückschritt.  Ebenfalls unbegreiflich, warum in der Praxis die Quote öffentlich gemacht werden soll, sie in der Theorie vollkommen egal ist.

 

Der Reduktion der Fragen stehen wir auch sehr positiv gegenüber. Aber auch hier frage ich mich, inwieweit das etwas an den Kosten ändern soll. Die Theorieprüfung, die wir in Deutschland haben ist ein Witz und verlangt einfach nur Fleiß und Durchhaltevermögen.

Reduzierung der besonderen Ausbildungsfahrten

Wer kennt nicht die Aussage, ich habe damals nur die Pflichtfahrten gebraucht.

.... Naja! Das ist Quark, höre oder lese ich jedoch immer wieder.

Auf jeden Fall möchte das Expertenteam um unseren Verkehrsminister die besonderen Ausbildungsfahrten um satte 75% verringern. Das nenne ich mal sportlich. Ich spare mir das Übliche betreffend der Verkehrssicherheit. Ich glaube die Argumente hat jeder zu Genüge gehört oder gelesen und besonders bei Herrn Schneider scheinen Argumente keine Wirkung zu zeigen.

Ich merke nur an. Niemand schreibt uns vor, wieviele Ausbildungsminuten für das Einparken nachgewiesen werden müssen. Und trotzdem üben wir es solange, bis es sitzt. Nirgendwo steht geschrieben, dass wir mindestens 30x durch eine Einbahnstraße gefahren sein müssen. Trotzdem üben wir es, bis es fehlerfrei funktioniert.

Wenn jemand das Auf- und Abfahren der Autobahn nicht beherrscht, wir aber in der Prüfung auf die Autobahn geführt werden, dann ist das Schicksal besiegelt. Das ist vergleichbar mit einem Nichtschwimmer, der auf dem Atlantik ins Wasser gestoßen wird. 

Wer also wirklich glaubt, dass eine geringere Zahl an besonderen Ausbildungsfahrten weniger Fahrstunden nach sich zieht hat einfach die falschen Berater.

Schaltkompetenz

Für das Ablegen der Schaltkompetenz soll nun auch der Simulator genutzt werden dürfen. Ausnahme ist wohl eine Unterrichtseinheit. Die muss auf einem Kfz mit Schaltgetriebe durchgeführt werden. Also wird trotzdem ein echtes Fahrzeug benötigt. Keine Kostenersparnis. Abzuwarten bleibt auch, wie die EU den Simulatoreinsatz bewertet. Die ist da nämlich noch nicht so locker.

Generell gehen beim Simulator die Meinungen auseinander. Sicherlich kann er eine Entlastung und Erleichterung für den Fahrschüler sein. Einige Fahrschüler beklagen aber auch Übelkeit, bei der Arbeit damit. Dann muss man sich die Frage stellen, in welchem Jahr wir leben und welche Ansprüche ich an gewisse Dinge stelle. Viele Fahrschüler, besonders der jungen Generation hole ich mit einer Grafik, die sich teilweise hinter der moderner Spiele auf dem Mobiltelefon verstecken muss, einfach nicht ab. Ich sehe es so, dass das Preis-Leistungsverhältnis miserabel ist. Momentan werden 22000€ bis 34000€ netto, ohne Zusatzausstattung aufgerufen. Das wird in Zukunft auch nicht besser, wenn alle Fahrschulen so ein Ding haben wollen. Dann steigen die Preise schlagartig. Angebot und Nachfrage halt..

Verkürzung der praktischen Prüfung

ENDLICH!!!

Wie gut doch unser Verkehrsminister zu uns ist. Er möchte die Prüfungszeit reduzieren. Das lässt sich öffentlichkeitswirksam nutzen. Was er jedoch nicht erzählt ist, wer die Verlängerung 2021 erwirkt hat.  Was haben wir geschimpft, aber die Politik hat daran festgehalten. Wer sich erinnert, weiss auch welche Farbe das Ministerium für Verkehr damals inne hatte. Für alle anderen gibt es die bekannten Suchmaschinen. 

Das ist einer der entscheidenden Gründe für die regional teils extremen Wartezeiten auf einen Prüfungstermin.

Ich möchte gar nicht wissen, wieviele durchgefallene Fahrschüler mit 45 Minuten Prüfung anstatt 55 Minuten bestanden hätten.

Hier wird also nur ein Fehler korrigiert. Auch spricht Herr Schneider nur von der reinen Fahrzeit was überall wiederholt wird. 

Der Kopf arbeitet allerdings die komplette Prüfung auf Höchstleistung.

Aber 25 Minuten hören sich einfach besser an. 

Hier wäre einfach ein wenig mehr Transparenz wünschenswert. 

Nahestehende Personen dürfen ausbilden.

Was viele wahrscheinlich nicht wissen, die Ausbildung durch Laien gab es bis 1986 schon in der Bundesrepublik . Damals hat die Bundesregierung die Laien eben nicht für geeignet gehalten und dieses Experiment beendet.. Die jetzige tut das aber und das stört uns jetzt nicht unbedingt. .

Jedem Fahrschüler sage ich immer wieder, je weniger wir tun müssen, je schneller der Fahrschüler seine praktische Prüfung bestanden hat desto zufriedener sind alle. 

"Das klappt in Österreich schon ganz lange ohne Probleme", ist ein Argument das ich oft höre oder lese. Auch Herr Schnieder wird nicht müde das zu betonen. Die Müdigkeit tritt allerdings sofort auf, wenn es darum geht zu erzählen, dass die Rahmenbedingungen ganz anders sind, oder die Versicherungsbeiträge gut doppelt so hoch wie bei uns. Hierzulande tropft den Versicherern schon das Feuchte aus den Mundwinkeln, wenn sie nur daran denken, was uns erwartet.

Ich wäre sogar dafür, dass jeder daran teilnehmen müsste. Dann würde der Fahrlehrer nämlich ein wenig mehr Respekt für seine Arbeit bekommen, weil Mama und Papa live mitbekommen, was es bedeutet auszubilden. 

Ich bin mir auch sicher, dass der ein oder andere damit Fahrstunden und kosten sparen kann. Für die Masse ist es allerdings nur die Verschiebung von Kosten.

Man darf nämlich nicht vergessen, dass ein Auto Geld kostet. Es ist aber nicht so, dass ich 20€ tanke und dann ist alles erledigt.

Jeder Kilometer kostet Geld. Und da kann man gern, je nach Fahrzeug 0,50€ bis 1,80€ einplanen. Dann multipliziert man diese Kosten mit den 1000Kilometern und dann hat man schon einmal den reellen Aufwand für das Fahrzeug. ohne eventuelle Schäden. Nun muss man nur noch die Zeit mitbringen und alles ordentlich ausbilden. 

Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber ich habe noch nie eine korrekte Antwort bekommen, wenn ich Eltern bei einem Beratungsgespräch frage, wo wir am Halt! Vorfahrt gewahren anhalten. Das ist ja auch nicht schlimm. Man darf nur nicht vergessen, dass falsch gelernte Dinge schwerer zu berichtigen sind. Und die Thematik "Stop-Schild" ist noch eine einfache. 

Angedacht sind sechs UEs vor Ausbildung in Eigenverantwortung, spannend. Nach den 1000 Kilometern sollen noch einmal 6 UEs inklusive der besonderen Ausbildungsfahrten folgen und dann die Prüfung. Das ist reiner Wunschtraum von Leuten, die keinen Plan haben.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird nicht auf das Feststellen der praktischen Prüfungsreife verzichtet und solange ein Fahrerlaubnisprüfer die Prüfung abnimmt, wird ein gewisser Anspruch an den Tag gelegt.

Hierzu ist auch der nächste Punkt zu beachten.

Erfolgsquoten/Preistransparenz

Der Verkehrsminister möchte die Bestehensquoten öffentlich machen. Was bei der Theorie völlig egal zu sein scheint, soll nun bei der Praxis öffentlich zugänglich gemacht werden.  Aber bitte, sehr gern. Ich denke, wir sind die letzten, die sich darüber beschweren sollten. Ab dann kann der Fahrschüler endlich sehen, was Phase ist, wo ausgebildet wird und wo der Fahrschüler nicht vollkommen allein für sein Ziel kämpft. Das begünstigt gute Ausbildung mit guten Ergebnissen. Ich kann noch gar nicht richtig fassen, dass Leistung belohnt werden soll... Kollegen, die das bislang etwas entspannter gehandhabt haben, müssen sich ab dann umstellen. Das kann doch nur gut sein.

Dann soll es so sein, dass die Preise der Fahrschulen gemeldet werden müssen. Das könnte auch ein ganz glasiges Glashaus sein. Aber wir warten erst einmal ab. Als ich 1995 das erste Mal eine Fahrschule betreten habe, hat da so eine Preistafel gehangen. Ich schätze wegen der Transparenz. Auch heute ist das noch so, dass in jeder Fahrschule eine Preistafel hängen muss. Es kann also jeder Fahrschüler die Preise herausfinden. Ich scheue mich auch nicht, die Preise per Mail herauszugeben, warum auch. Ich mahne nur an, dass dann nicht nur Fahrschüler die Preise "vergleichen" können. 

Wird es denn nun günstiger?!

Nein. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind nicht geeignet, eine generelle Vergünstigung herbeizuführen. Aber vielleicht geht es dem Minister ja auch gar nicht darum.  Ich räume ein, dass es vereinzelt Fahrschüler geben wird, die durch die selbsterlangte Fahrpraxis weniger Fahrstunden benötigen und dadurch auch weniger in der Fahrschule bezahlen werden. Und das ist auch super. Das ist wirklich ernst gemeint.

Der Masse wird es aus verschiedensten Gründen jedoch nicht gelingen. 

Soll man nun also warten? Politiker und ÖRR rufen teilweise dazu auf, was schon höchstgradigst fragwürdigst (das war Absicht) ist. Jeder soll die Entscheidung für sich treffen. Niemand muss überredet werden.

Wir können zur Erinnerung in das Jahr 2020 zurückgehen. Im Zuge des ersten Lockdowns mussten Fahrschulen in Brandenburg circa sechs Wochen lang die Arbeit niederlegen. Danach waren alle Fahrschulen bis unter das Dach gefüllt und es hat Jahre gedauert diesen Stau abzubauen.. Es bleibt abzuwarten was im Endeffekt kommt, ob etwas kommt und wenn dann, wann etwas kommt. So oder so, niemand kann ermessen was dann aufgefangen werden muss. Der Fahrschülerstau zu Coronazeiten wird dagegen jedoch an Bedeutung verlieren.

Können die Kosten für die Ausbildung verringert werden?

Ganz klar ja. Es gibt genügend Maßnahmen, um eine Verbesserung, nicht nur für Fahrschüler und deren Eltern herbeizuführen. Ich habe wirklich versucht, den vorangegangenen Text sachlich zu schreiben. Mir ist auch klar, dass es nicht komplett gelungen ist.

Ich werde ein paar Tage vergehen lassen und diese Maßnahmen dann hier zum Besten geben.

Dann wird es aber ein wenig deutlicher. Einige Personengruppen werden sich berechtigte Kritik gefallen lassen müssen.